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Ein Abschied in der Ferne

Ein Abschied in der Ferne

 

Liebe Menschen der BRD, liebes Deutschland, mein Blick ruht auf dir, doch er kommt von fern, ich bin nicht mehr nah hier. Ich habe mich gelöst, nicht aus Mangel an Gefühl, sondern weil in mir ein kalter Schrecken wühl. Die Sorge nagt, dass du dich niemals hast gewandelt, dass Lügen und Trug nun wieder kunstvoll behandelt, die Seelen der Menschen, sie führen sachte hinab, zu einem Regime, das einst im Dunkeln lag.

Liebes Deutschland, hast du die Lehren je gelernt? Die Fehler der Zeit, die so viel Leid beschert? Wenn die Vergangenheit dich nicht zur Umkehr zwang, dann fürchte ich, es kommt dir jetzt kein Neuanfang. Ich liebte die Freiheit, die in deinen Menschen schien, doch nun zeigst du das Antlitz, das finster und unrein. Dein grauenhaftes Wesen bricht wieder hervor, und tötet brutal, im Mantel des Tors.

Mit Mitteln der Demokratie schlägst du die Menschlichkeit, fällst blind auf Mächte herein, die geben sich bereit, dir Freund zu sein, doch du lässt dich täuschen, so leicht, der Schatten der Selbstzerstörung dich langsam beschleicht. Du beerdigst dich selbst, mit jedem neuen Schritt, ich schaue ohnmächtig zu, was tief in mir zerreißt. Du zwingst mich zur Schau deines eigenen Suizids, ein Zeuge zu sein, der dich doch nicht retten ließ.

Kann ich dich dennoch lieben, diese Frage brennt so heiß? Obwohl du mich längst aufgegeben, so viel ich weiß. Die Antwort bleibt stumm, ein Echo in der Nacht, nur die ferne Beobachtung hält noch meine Wacht.

Doch tief in diesem Schmerz, wo alles schon zerbricht, erhält sich in mir noch ein kleines, zartes Licht. In hoffnungsvollem Glauben, unerschütterlich und klar, bleibt nur die Hoffnung selbst, die einzige, die wahr. Sie ist das einzig Sinnhafte, was mir noch bleibt zu halten, das unzerstörte Gut, das alle Schatten spalten.

Was bleibt, wenn wir ins große Nichts hinübergehen, wenn wir verstummen und nichts mehr kann geschehen? Was bleibt, wenn wir uns alle gegenseitig töten? Wenn alle Brücken brennen, die uns noch behüten? Die Antwort ist das Nichts. Die kalte, leere Hand. Es ist der logische Schluss in diesem armen Land.

Kehre um, mein Deutschland, ehe du ganz zerbrichst, bevor du niemanden mehr hast, für den du wirklich bist. Erkenne den Betrug, den du dir selbst gewährst, bevor du ganz im Dunkel deine Seele verzehrst. Reiß dich los vom Wahn, besinn‘ dich auf den Wert, bevor dein eignes Ende endgültig gekehrt.

Ein Abschied in der Ferne von Marc Sommer

 

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